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Ausstellung Joëlle Girard & Toto
Sonntag, 12. Juli , 14:00 – Sonntag, 16. August , 17:00

Joëlle Girard
Erîle oder die Ästhetik des Verlusts
Die promovierte Malerin und Performance-Künstlerin Joëlle Girard, präsentiert ihre neue Werkserie mit dem Titel „Erîle, die kleinen Inseln“. Zehn Jahre nach ihrer Dissertation über den Mythos der Dibutade an der Universität für Bildende Künste in Paris-Sorbonne, greift die Künstlerin das ursprüngliche Thema ihrer Doktorarbeit wieder auf, um die „Spuren der Abwesenheit“ zu erforschen.
Der Mythos als DNA
Joëlle Girards Werk basiert auf einer Gründungszählung des Plinius: der Geschichte der jungen Korintherin Dibutade. Um das Bild ihres in den Krieg ziehenden Geliebten festzuhalten, zeichnete sie den Umriss seines Schattens an die Wand und erfand so die Zeichenkunst. Sie ist damit jene „Heldin“, die – nach den Worten von Jacques Derrida – die „Ästhetik des Verlusts“ der tatsächlichen Anwesenheit vorzieht: Sie verzichtet auf das Fleisch zugunsten des Eidôlon (des Bildes) und verwandelt diesen Mangel in eine treibende Kraft des Schöpferischen.
Erîle: Eine Geografie der Abwesenheit
„Abwesenheit ist eine aktive Resonanzstruktur.“ – Roland Barthes
Im Jahr 2023, genau zehn Jahre nach ihrer Promotion, verändert eine Begegnung das künstlerische Schaffen der Künstlerin grundlegend. Auf dem Körper ihres Geliebten fällt ihr ein Muttermal ins Auge, das dem Umriss einer Insel ähnelt. Aus dieser Vision heraus entsteht Erîle, ein Wortmix, aus dessen Vornamen und einer imaginären Landschaft, einer Insel (île = Insel).
Da die Begegnungen mit ihrem Geliebten nur sporadisch stattfinden, nimmt das Werk durch das Eintauchen in die Leere der Abwesenheit Gestalt an. Wenn der Geliebte nicht da ist, wird seine Spur zum Territorium der Erinnerung. Hier entfaltet sich ein plastisches Gebilde, in dem der Mangel von zentraler Bedeutung ist: Um zu erschaffen, muss man zuerst verlieren. So entwickelt sich ein „Gedächtnis der Haut“ – der andere ist abwesend, doch der Körper besitzt ein Erinnerungsvermögen, welches der Verstand nicht rational erfassen kann.
Eine Malerei der Amputation
In der Serie entfaltet sich auf Leinwänden und Collagen ein Kampf um Sichtbarkeit. Zur Darstellung des Hautmals, verwendet die Künstlerin Acetat-Folien (aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und kompostierbar), die die Form des Muttermals nachbilden. Durch diese Collagen werden dem Bild buchstäblich Teile seiner Oberfläche entrissen, „amputiert“. Der Blick stößt auf einen verborgenen Bereich, die Verschmelzung des fremden Körpers, der im Moment seiner Darstellung abwesend ist: ein Kampf zwischen Auslöschung und Beständigkeit.
Dies evoziert eine Art materielles Spuken: Abwesenheit bleibt nicht leer, sie nimmt Form an, sie wird zu einem „Fleck“, der schließlich alles andere überdeckt.
Anatomie der Erinnerung: Vom Fleck zum Motiv
Der Fleck nimmt schließlich eine geordnete Struktur, ein Muster an und wird zum Motiv. Dies ist der Prozess der Trauer oder Obsession, bei dem das Ungewöhnliche zur Norm wird. Die Form des ursprünglichen Flecks variiert und verweist so auf die wandlungsfähige Natur des Mangels. Er passt sich ständig an, um uns niemals in Ruhe zu lassen, und verändert sein Aussehen, um sich immer wieder neu zu behaupten. Diese Resonanz ist tiefgreifend. Abwesenheit prägt, färbt und verzerrt den „Hintergrund“, bis dieser unter der Spur verschwindet.
Landschaften aus Fetzen
Dieses Vorgehen wendet die Künstlerin auch bei ihren Landschaftskompositionen an, in denen sie mit Okulationen (Verdeckungen) arbeitet. Bildfragmente werden herausgerissen, gewendet und wieder neu zusammengesetzt, wobei eine Spannung entsteht zwischen dem Inkarnat, dem Verkörperten, „dem Fleisch des Gemäldes“ und dem Lambeau, dem Fragment, dem Rest des Bildes.
„Dort, wo etwas weggenommen wird, beginnt die Poesie.“
„l’art est ce qui rend la vie plus intéressante que l’art.“
„Kunst ist das, was das Leben interessanter als Kunst macht.“
Robert Filliou
Toto
Bereits als Kind hat Toto gezeichnet und tut es immer noch.
Mit zwanzig kam dann die Bildhauerei ins Spiel; er hatte einen Artikel über einen Bildhauer gelesen der ihn sehr inspirierte, also meldete er sich zu einem Töpferkurs an, um es mal mit Ton auszuprobieren (er war der Einzige, der Skulpturen anfertigte) und zack – modelliert er seit 45 Jahren mit großer Begeisterung.
Ein paar Jahre später besuchte er einen richtigen Bildhauerkurs, wo er die Steinbildhauerei und das Anfertigen von Gipsformen erlernte.
Schon bei seiner ersten Ausstellung habe er einen Preis gewonnen. Das hat ihn total beflügelt! Danach nahm er viele Jahre lang an unzähligen Ausstellungen und Kunstmessen teil.
Durch weitere Auszeichnungen erfuhr er Anerkennung und sein Name wurde bekannt. Dieser Werdegang ist für einen Künstler von großer Bedeutung, sie zeigen ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist und dass seine Werke verstanden werden.
Neben Ton haben ihn auch andere Materialien, wie Stein, Metall, Gips und Pappmaché fasziniert. Derzeit experimentiere er mit Skulpturen aus Holz und Pappe.
Jedes Material hat seine eigenen spezifischen Merkmale und Besonderheiten und damit seine eigene Sprache. Es ist absolut berauschend und schier endlos!
Eine weitere Etappe hat sein Leben völlig auf den Kopf gestellt: die monumentalen Skulpturen. Schon mit der ersten Skulptur eröffnete sich ihm eine neue, fantastische Welt: Durch ihre außergewöhnliche Größe, ihre Allgegenwart rund um die Uhr und einer unglaublichen und besonderen Beziehung zu den Bewohnern in deren öffentlichem Raum sie steht.
Er teile seine beiden Leidenschaften, Zeichnen und Bildhauerei, indem er Zeichen- und Bildhauerkurse gebe.
„Die Bildhauerei ist für mich absolut lebensnotwendig; sie ist meine Lunge, mein Gehirn, mein Blut, sie ist ein Teil von mir. Sie ist sowohl die treibende Kraft als auch der Sinn meines Daseins. Die Bildhauerei erlaubt mir, meiner Fantasie konkrete Form zu geben und sie so zu einem wunderbaren Vehikel werden zu lassen, um meine Emotionen zu transportieren. Ich reise ungehindert durch sie hindurch, glücklich, mit stets offenen Augen für neue Horizonte.“
Toto
Beide Künstler werden während der gesamten Ausstellungszeit im KuNSTHAUS WaLDSASSEN anwesend sein und dort ein temporäres Atelier eröffnen, das für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Das Kunsthaus hat daher vom 27.07. bis zum 09.08.2026 täglich von 10.00 – 12.00 Uhr und von 14.00 – 17.00 Uhr geöffnet (Ausnahme 07.08. nur von 10.00 – 12.00 Uhr). Erleben Sie live, wie die beiden Künstler in den Ateliers unten im Kunsthaus arbeiten! Seien Sie dabei, wenn neue Kunstwerke entstehen. Der Eintritt ist kostenfrei.
Live Kunstperformance mit Joëlle Girard
Joëlle Girard lädt am Samstag, den 1. August, herzlich zu einer zweiteiligen Performance ein: „Zuerst gestalten wir gemeinsam ein Objekt. Bitte bringen Sie Blumen, Kräuter und andere Pflanzen mit, die Sie in der Natur oder in Ihrem Garten finden, sowie eine große Nähnadel, beispielsweise eine Sticknadel. Alle weiteren Materialien werden gestellt. Wir arbeiten anderthalb Stunden zusammen. Anschließend findet gegen 16 Uhr die Performance im Galeriegarten statt. Lassen Sie sich überraschen! Der Workshop bietet Platz für etwa zehn Personen. Sie können sich bis kurz vor Beginn anmelden, da ich genügend Material habe. Ich freue mich auf Sie!“